Rallye Weiz (AUT)

PLATZ 2 UND WICHTIGE PUNKTE IN ÖSTERREICH

Eine Rallye wie man sie sich eigentlich nicht grade wünscht, erlebte letztes Wochenende der Tittlinger Rallyepilot Raffael Sulzinger. Eigentlich freute sich Raffael schon seit Wochen darauf, endlich wieder eine Rallye im benachbarten Österreich zu bestreiten, da er die selektiven Wertungsprüfungen und das ganze Drumherum dort sehr liebt. Doch dann sollte wieder einmal alles ganz anders kommen wie geplant. Am Dienstagmorgen bekam das Team um Raffael die Nachricht von der geplanten Beifahrerin Claudia Harloff aus Chemnitz – welche schon beim 1. Einsatz in der Trophy in Slowenien auf dem „heissen Sitz“ saß - die Nachricht, dass sie im Krankenhaus liege. Sie wurde am Vortag von einem Pferd getreten und habe eine Gehirnerschütterung und zwei gebrochen Zehen. Nun begann Stress Nr1. – wo um Himmelswillen in der kürze der Zeit einen geeigneten Beifahrer hernehmen. Eineinhalb Tage später soll ja bereits die Besichtigung der Wertungsprüfungen zum erstellen des „Gebetsbuches“ durchgeführt werden. Nach zahlreichen Telefonaten war es Raffael dann am Mittwochmittag gelungen die 18-jährige Augsburgerin Nicole Holzer – die Tochter des Opel-Werks-Rallye-Team-Chefs – für sein Cockpit zu verpflichten. So konnte seine Crew am nächsten Morgen in die Steiermark aufbrechen und seinen „Autohaus-Unrecht-Ford-Fiesta-R2“ in den Servicepark zur technischen Abnahme bringen. Raffael musste vormittags noch arbeiten – er und Nicole sollten dann am Nachmittag dort eintreffen und mit dem Aufschrieb beginnen. Dann kam Stress Nr. 2 – beide blieben im Stau hängen und trafen erst abends ein. Nur 3 der 16 Wertungsprüfungen konnten an diesem Tag noch besichtigt werden. So musste am Freitagmorgen mit dem Besichtigen der Prüfungen fortgefahren werden, anstatt sich in Ruhe auf den anstehenden Wettbewerb vorbereiten zu können. Pünktlich um 17.37 Uhr rollte Raffael dann mit seinem Fiesta-R2 mit der Startnummer 16 über die Startrampe. Die Klasse war mit 11 Startern zwar gut gefüllt, aber mit 6 starken Konkurrenten - welche über Fahrzeuge mit einer Mehrleistung von gut 25 PS verfügten – daher rechnete sich das Team nur Chancen so um einen Mittelplatz aus. WP 1 sollte ihren Berechnungen dann auch Recht geben – die 6. Klassenzeit und 31. Gesamtzeit in dem hochkarätigem Starterfeld – in dem sogar „World-Rallye-Cars“ am Start waren – brachten die Stoppuhren dort hervor. Doch bereits im Verlauf der weiteren 5 Prüfungen am 1. Tag konnten sich Sulzinger/Holzer immer weiter steigern. Vor allem die 3 Nachtprüfungen brachten Ihnen trotz teilweisen starken Gewitterregens den entscheidenden Schritt nach vorne, wo sie sich bis auf Gesamtrang 17, den Platz 5 in der Klasse und den für sie wichtigen 2. Platz in der „FIA-ERT-Wertung“ nach vorne arbeiten konnten.

Tag 2 dann am Samstagmorgen – Paukenschlag – Stress Nr. 3. Beim morgendlichen Service – am Vorabend durfte kein Service mehr durchgeführt werden – stellte das Service-Team einen kleine Öllache am Unterschutz des Motors fest. Die Crew schraubte noch kurz den Unterschutz ab um festzustellen wo dieses Öl herkam. Es wurde eine undichte Verschraubung am erst kürzlich zusätzlich eingebauten Ölkühler diagnostiziert. Zuhause und am ersten Service am Vortag war alles noch dicht und Top in Ordnung. Man versuchte in der Kürze der verbleibenden Zeit die Verschraubung noch nachzuziehen und mit einer Dichtmasse den Ölverlust unter Kontrolle zu bringen. Vorsichtshalber packte sich Raffael noch ein Dose Motoröl in den Kofferraum um gegebenenfalls bei weiterem Ölverlust dieses nachfüllen zu können. Dann kurz vor Mitte der Sonderprüfung 7 – der nächste Dämpfer – Reifenschaden. Das Rad musste in der Prüfung gewechselt werden - gut 3 Minuten verloren die beiden durch dieses Pech. Als sie die Fahrt dann wieder aufnehmen wollten, wurden sie von einem nachfolgenden Fahrzeug noch überholt. Bei diesem Überholvorgang „parkte“ sich der Konkurrent in den Graben. Sulzinger/Holzer versuchten noch den Konkurrenten aus dem Graben zu befreien, was jedoch nicht gelang, da sich dieser beim Aufprall das linke Vorderrad „ausgebaut“ hatte. Diese Aktion kostete die beiden weitere zwei Minuten Zeitverlust. Nicht verwunderlich dass diese WP mit der schlechtesten Zeit auf ihrem Konto belastet wurde. Wertungsprüfung 8 brachte dann Stressfaktor Nr. 5 – man musste feststellen, dass die Kupplung zeitweise nicht mehr richtig trennt. Man rollte mehr über die verbleibende Prüfung und wollte eigentlich schon aufgeben, auch aufgrund der großen Gefahr, dass sich das Öl am heißen Auspuff entzünden könnte. Doch dann erschlossen sich Sulzinger/Holzer doch zur Weiterfahrt – die Räder drehten sich ja noch - so ihre Meinung. Vor der 9 WP wurde nochmals Motoröl von den beiden nachgefüllt, denn der Ölverlust an der Ölkühlerverschraubung zeigte sich leider auch nicht als behoben. Total genervt trafen Raffael und Nicole dann im anschließenden Service ein. Die Crew um Raffael baute dann kurzerhand den kompletten Ölkühler samt Leitungen aus, um wenigstens den Gefahrenherd eines eventuellen Motorschadens oder gar eines Fahrzeugbrandes zu beheben. Die Kupplungsbetätigung hatte bereits zur Mitte der ersten Schleife komplett ihren Geist aufgegeben – der Dichtring des Ausrücklagers hatte seinen Dienst quittiert. Da sich der Fiesta-R2 ohne funktionsfähige Kupplung nicht mehr normal anfahren lies, konnte dieser ab diesem Moment und für die weiteren Sonderprüfungen nur noch mit dem Anlasser  und eingelegtem ersten Gang, bzw. durch anschieben in Bewegung gesetzt werden – geschaltet wurde dann eben ohne Kupplung. Nun kamen die großen Stunden für die Beifahrerin - die junge Nicole Holzer. Bei jeder Zeitkontrolle musste sie das Fahrzeug durch anschieben zum Anspringen bringen – der Fahrer saß ja bereits mit eingelegten 1. Gang hinter dem Lenkrad. Sobald das Auto dann lief musste sie für etliche Meter neben dem Fahrzeug herlaufen und dann hineinspringen, um gemeinsam die Fahrt fortzusetzen. Eine wahre Höchstleistung für so ein junges Mädchen – und dies noch dazu bei hochsommerlichen Temperaturen – mit feuerfester Kleidung und geschlossenem Helm auf dem Kopf. Am tatsächlichen Start der Sonderprüfungen mussten der Fiesta R2 mit dem Anlasser – auch bei Bergaufpassagen – mindestens 25 Meter weit kommen, ehe Zuschauer zur Hilfe eilen durften. Ganze 9 Wertungsprüfungen hatten die beiden so zu absolvieren. Bei jedem Start einer Sonderprüfung verloren sie durch ihr Handicap bereits knapp eine Minute. Auf den Verbindungsetappen im öffentlichen Straßenverkehr rund 200km ohne Kupplung zurückzulegen, war dabei eine ebenso schwierige und nervenaufreibende Herausforderung, wie auf den Wertungsprüfungen nicht den kleinsten Fehler zu machen. Jeder Dreher oder Verbremser hätte das „AUS“ bedeutet. Dennoch gaben Sulzinger/Holzer nicht auf und belegten am Ende den 4. Platz in der Klassenwertung und den so wichtigen 2. Platz in der „FIA-ERT-Wertung“. Auf der Zielrampe – die Raffael und Nicole ihren Fiesta-R2 schiebend erklommen – lobten sie trotz aller Unzulänglichkeiten die sie bei dieser Rallye ereilten, die gut organisierte Veranstaltung mit den fabelhaften Wertungsprüfungen. Diese Rallye war ihnen die Strapazen wert ließen sie den Reportern gegenüber verlauten.

Sulzinger / Holzer - Fiesta R2 "Onboard"

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