53. ADAC 3-Städte-Rallye (GER)

GASTSTART IM TOP-AUTO BEI DM-FINALE

Mehr als nur turbulente 14 Tage hat der Tittlinger Rallyepilot vom MSC-Dreiburgenland – Raffael Sulzinger – hinter sich. Hatten doch er und seine Chemnitzer Co-Pilotin Claudia Harloff sich kurzfristig vorgenommen, außerhalb den geplanten Einsätzen in der „FIA-European-Rally-Trophy“ auch bei der heimischen 3-Städte-Rallye an den Start zu gehen.

Doch mit welchen Fahrzeug soll man starten fragten sich die beiden, denn – der eigene Ford-Fiesta-R2 soll ja für die 1 Woche nach der 3-Städte-Rallye stattfindende Lausitz-Rallye geschont und auf den Schotter-Einsatz umgebaut werden. Die hatte nämlich Priorität, da diese der letzte Vorlauf zur geplanten Meisterschaft ist und das Risiko, dass der R2 bei der „3-Städte“ in Mitleidenschaft gezogen werden könnte zu groß war. In der kurzen Zeit von nur 4 dazwischen liegenden Tagen wäre eine eventuelle Reparatur fast unmöglich. So kamen die beiden auf die verwegene Idee, sich einen hochkarätigen „Ford-Fiesta-R5“ – ein Fahrzeug aus der höchsten zulässigen Kategorie in der 1. Liga des deutschen Rallyesports, direkt unterhalb der Kategorie der „World-Rallye-Cars“ - beim Tschechischen Rennstall von Jaroslav Orsak zu mieten. Dank Unterstützung von teameigenen Sponsoren aus Tschechien, machte er den beiden zwar ein relativ günstiges Angebot – dennoch mussten erst einmal die Miet- und Einsatzkosten innerhalb kürzester Zeit gedeckt werden. Dies gelang den beiden Gott-sei-Dank mit Hilfe etlicher Firmen und Unterstützer aus dem befreundeten Umfeld.

Doch leider stellte sich in der Woche vor der „3-Städte“ heraus, dass dieses Fahrzeug über keinen speziellen Rennkasko-Versicherungsschutz verfügte – ein Übermittlungsfehler im Mietvertrag. So musste auch diese Hürde noch bewältigt werden, um das Risiko bei einer Beschädigung des 250.000,- Euro teuren Fahrzeuges (etwas) zu minimieren. So war der Einsatz auf dem „Fiesta-R5“ erst am Donnerstagmorgen gegen 10 Uhr fix. Und so saß Raffael am Freitag spät nachmittags kurz vor dem Start erstmals in diesem hochkarätigen Rallye-Boliden ohne jegliches Training – nur für eine kurze Einweisung in die wichtigsten Bedienelemente war noch Zeit. Dementsprechend verhalten startete das Team Sulzinger/Harloff mit der 15. Gesamtzeit in die 1. Wertungsprüfung – man wollte sich erst einmal das Gerät herantasten.

Doch schon bei der Überführungsetappe von WP1 zu WP2 trat dann ein größeres Problem auf – der R5-Fiesta lies sich nicht mehr schalten. Telefonisch versuchte Raffael das Einsatzteam im Fahrerlager zu erreichen um das Problem zu erörtern und lösen, was auf Grund des schlechten Mobilfunknetzes erst verzögert gelang. Das Differential hatte sich verspannt – man musste „lediglich“ im 2. Gang anfahren, damit sich dieses wieder entspannt. Doch die vorgegebene Zeit für die Überführungsetappe war dadurch überschritten worden und die beiden bekamen 70 Strafsekunden auf ihrem Konto negativ verbucht – sie lagen damit auf Platz 100 im gesamten Starterfeld. Beim Start zu WP2 ein ähnliches Problem und durch die dadurch aufkommende Hektik ein zu früh gedrückter Knopf brachten einen Frühstart mit sich. Dies bedeutete weitere 10 Sekunden Strafzeit, sowie eine aufgerundete Fahrzeit – die 11. Gesamtzeit. Außerdem hatte man sich beim Reifen-Poker verzockt und musste alle Freitags-Prüfungen mit Regenreifen auf nahezu staubtrockenen Strecken absolvieren.

Auf WP3 und 4 konnten sie trotzdem noch die 7. und 6. Gesamtzeit im hochkarätigen Starterfeld verbuchen. Auf Platz 32 im Gesamt beendeten sie Tag 1 des Finallaufes zur Deutschen Rallye Meisterschaft. Erneut Troubles dann auf der ersten Schleife am Samstagmorgen. Ein Startabbruch mit folgender unerwarteter Freigabe hatte einen abgewürgten Motor zur Folge. Daraufhin funktionierte die Servolenkung nicht, Raffael und Claudia mussten auf der Wertungsprüfung anhalten und das Auto „resetten“. Mit rund 25 Sekunden Zeitverlust eine 8. Gesamtzeit.

Dann aber lief alles problemlos und die Beiden arbeiteten sich mit einer 5. und 4. Gesamtzeit bereits auf den 10 Gesamtrang nach vorne. Auf den beiden letzten Schleifen des Tages folgten dann noch eine 5. und drei sensationelle 3. Gesamtzeiten dicht hinter den beiden „Semi-Werks-Skoda-Fabia-R5“. In der Gesamtwertung brachte dies Raffael Sulzinger und Claudia Harloff noch den 7. Gesamtplatz bei ihrem ersten Einsatz in diesem hochkomplexen und bislang ungewohnten Rallyegerät und dies in einem überaus hochkarätigen Starterfeld. Raffael meinte im Ziel zwar:

„Mit diesem Fiesta-R5 wären zwar noch schneller etwas Zeiten möglich gewesen, doch in Anbetracht der relativ hohen Selbstbeteiligung im Falle einer Beschädigung des gemieteten Fahrzeuges, ging ich lieber nicht volles Risiko. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden – ich konnte letztendlich zeigen, dass ich mit der absoluten Spitze mithalten könnte.“

Sulzinger / Harloff - Fiesta R5evo WP9

Sulzinger / Harloff - Fiesta R5evo WP11

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